Mundfotografie         www.denfo.de / Dentalfotografie mit Matthias Steinhauser

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Mundfotografie ohne Mundspiegel:

Einleitung:

Mundaufnahmen ohne Mundspiegel eignen sich besonders für den Einsteiger in die Dentalfotografie. Da hierbei das umständliche Hantieren mit dem Mundspiegel entfällt, kann sich der Dentalfotograf ganz auf das Motiv konzentrieren. Dies hat jedoch nichts mit der Wichtigkeit oder der Aussagekraft dieser Aufnahmen zu tun.

Anmerkung:

Bei Mundaufnahmen gilt allgemein, daß die Zähne vor dem Fotografieren trockengeblasen oder mit einer Watterolle trockengetupft werden. Es muß nicht ganz trocken sein, aber es sollten keine Speichelpfützen (speziell Interdental oder in den Kauflächen) sichtbar sein. (Abb. 1) und (Abb. 2)
 
Abb. 1) Große Speichelpfützen wirken im Bildaufbau störend. Dieses Problem tritt besonders beim Fotografieren von Kauflächen auf. Abb. 2) Durch ein „trockenes“ Arbeitsfeld erhält man ein wesentlich ansprechenderes Bild.

Außerdem sollten die Lippen möglichst nicht geschminkt werden. Sind die Lippen sehr blaß, kann dezent nachgeschminkt werden, aber bitte nicht wie ein Feuerwehrauto (Abb. 3). Bei sehr trockenen Lippen ist jedoch ein Labello das Mittel der Wahl.
 
Abb. 3) Feuerwehrautos sind wegen der Signalwirkung feuerrot lackiert.

 
Abb. 4) Was bei einer Werbeaufnahme durchaus plakativ wirken kann, muß nicht unbedingt auf die fotografische Dokumentation übertragen werden. Abb. 5) Ein dezentes Lippenrot lenkt den Blick vom eigentlichen Objekt (z.B. der gelungenen Restauration) nicht ab.

Ohne Mundspanner

Mund frontal (Frontzähne)

Zum Aufwärmen befassen wir uns zuerst mit der einfachsten Form der Dentalfotografie. Dies ist die Mundfotografie ohne Mundspanner, da der Fotograf beim Auswählen des Bildauschnitts und der Scharfstellung nicht auch noch darauf achten muß, daß die Lippen und Wangen genügend abgehalten werden.

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie zur Kontrolle der Länge der oberen Schneidezähne den Mund des Patienten mit geöffneten Lippen.

Schwierigkeit:
Einhaltung der Symmetrie.

Abbildungsmaßstab:
ca. 1 : 1,2

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv und Zangenblitz

Vorgehensweise:
Fotografiert wird direkt von vorn. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Das Schärfezentrum sollte ungefähr auf den Incisalkanten der 2-er liegen. Kontrollieren Sie die Symmetrie im Bildaufbau. Die Kauebene soll parallel zum oberen bzw. unteren Bildrand verlaufen. Die Mittellinie teilt das Bild in zwei gleich große Hälften. Dies gilt sowohl im Schlußbiß Abb. 6) Abb. 7) wie auch bei leicht geöffneten Zahnreihen Abb. 8) Abb. 9)

Parameter:
Blende 22
 
Abb. 6) Durch die schlechte Symmetrie ist der Bildaufbau deutlich gestört. Als Vorlage für eine Frontzahnrestauration ist dieses Bild somit eher ungeeignet. Abb. 7) Durch die exakte Aufteilung erleichtert diese Aufnahme die Nachstellung der Restauration.

 
Abb. 8) Die gleiche Situation wie in Abb. 6) nur mit leicht geöffneten Zahnreihen. Abb. 9) Auch hier entsteht durch konsequentes Einhalten der Symmetrie das bessere Ergebnis als in Abb. 8).

Mund seitlich (Lippenfülle)

Wie wichtig der Hintergrund bei der Bildgestaltung ist, zeigt das nächste Beispiel. Dort wird veranschaulicht, wie ein störender Hintergrund einen harmonischen Bildaufbau zunichte macht. Dies passiert meist unerfahrenen Fotografen, die sich zu stark auf das Hauptmotiv konzentrieren und die restlichen Bildelemente wie z.B. den Hintergrund „vergessen“ Abb. 10). Wenn man sich diese Fehlerquelle jedoch sorgsam einprägt, wird der Fehler nur noch in den seltensten Fällen auftreten Abb. 11).

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie zur Kontrolle der Abstützung der Lippe durch die oberen Frontzähne den Mund mit leicht geöffneten Lippen.

Schwierigkeit:
Einhaltung der Symmetrie; neutraler Hintergrund.

Abbildungsmaßstab:
ca. 1 : 1,5

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv, Zangenblitz und dunkelgrauer oder schwarzer Fotokarton.

Vorgehensweise:
Fotografiert wird von schräg vorne. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Scharfgestellt wird auf den vorderen Schneidezahn (1-er). Der Hintergrund sollte durch einen Fotokarton gestaltet werden.

Parameter:
Blende 22
 
Abb. 10) Trotz guter Symmetrie wirkt das Bild unruhig. Schuld daran ist der störende Hintergrund (hier eine Türklinke), der bei dieser Perspektive den Bildaufbau zwangsläufig mitgestaltet. Abb. 11) Durch den neutralen Hintergrund wirkt das Bild ausgeglichen. Der Betrachter kann sich ganz auf den bildwichtigen Teil konzentrieren.

Lachender Mund

Das Fotografieren eines „lachenden“ Patienten stellt gewisse Regiequalitäten an den Fotografen. Der Patient darf nicht verkrampft sein, damit das Lachen nicht gequält oder unnatürlich erscheint. Deshalb muß hier ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Fotograf vorherrschen, um ein gefälliges Ergebnis zu erzielen.

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie den „lachenden Mund“ des Patienten.

Schwierigkeit:
Einhaltung der Symmetrie. Erreichen daß der Patient „natürlich lacht“. Der Mund darf weder zu stark aufgerissen sein, noch darf dies zu zaghaft wirken.

Abbildungsmaßstab:
ca.  1 : 2

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv und Zangenblitz

Vorgehensweise:
Fotografiert wird direkt von vorn. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Das Schärfezentrum sollte auf den Mesialkanten der oberen Eckzähne liegen.

Parameter:
Blende 22
 
 
Abb. 12) Das Ergebnis sieht auf den ersten Blick sehr vielversprechend aus. Hier wurde jedoch mit zu großer Blende (5,6) fotografiert. Deutlich sieht man die unscharfen Prämolaren. Abb. 13) Durch ausreichendes Abblenden auf Blende 22 gelingt die Aufnahme durchgehend scharf.

Obere Frontzähne

Auch in diesem Beispiel erfährt der Hintergrund eine wichtige Rolle. In Abb. 14 erhält man durch das Zungenrot einen gestörten Bildaufbau. Durch die Verwendung eines zugeschnittenen schwarzen Fotokartons wirkt der Bildaufbau deutlich harmonischer Abb. 15). Außerdem wird (falls das Foto z.B. für diesen Verwendungszweck angefertigt wurde) eine spätere Farbauswahl durch den neutralen Hintergrund deutlich erleichtert.

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie zur „Dokumentation einer eingesetzten Keramikbrücke“ die oberen Frontzähne des Patienten.

Schwierigkeit:
Einhaltung der Symmetrie; störender Zungenraum.

Abbildungsmaßstab:
ca. 1 : 1

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv, Zangenblitz und schwarzer (zugeschnittener) Fotokarton. Für ein besseres Handling kann dieser auch auf einen hölzernen Mundspatel geklebt werden.

Vorgehensweise:
Fotografiert wird direkt von vorn. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Das Schärfezentrum sollte auf den Schneidekanten der oberen Frontzähne liegen. Der Rachenraum wird mit einem schwarzen Karton am Mundspatel abgedeckt.

Parameter:
Blende 22
 
 
Abb. 14) Die deutlich sichtbare Zunge lenkt den Blick von der Front ab. Außerdem verlieren die Frontzähne durch den hohen Rotanteil deutlich an Brillianz. Abb. 15) Durch einen schwarzen Hintergrund gewinnt das Objekt deutlich an Brillianz.

Nachdem wir die Aufnahmen ohne Mundspanner bewältigt haben, beschäftigen wir uns nun mit dem Einsatz von Mundspannern. An dieser Stelle sei bemerkt, daß hier eine Assistenz, welche die Lippen und Wangen sorgfältig abhält, sehr hilfreich ist.
 

Mit Mundspanner

Ober- und Unterkiefer im Schlußbiß

Beim Fotografieren des Ober- und Unterkiefers im Schlußbiß sollte darauf geachtet werden, daß die Zähne nicht angeschnitten werden und daß der Kiefer nicht zu stark den Bildaufbau dominiert.

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie den gesamten Ober- und Unterkiefer im Schlußbiß.

Schwierigkeit:
Einhaltung der Symmetrie, richtiges Abhalten der Lippen und Wangen.

Abbildungsmaßstab:
ca. 1 : 2

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv, Zangenblitz und Mundspanner

Vorgehensweise:
Fotografiert wird direkt von vorn. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Die Assistenz führt die Wangenhalter ein und weitet die Mundöffnung mit sanftem, gleichmäßigen Zug auf. Finger oder Spiegel haben auf diesen Bildern nichts verloren. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Das Schärfezentrum sollte auf den Mesialkanten der oberen Eckzähne liegen.

Anm.: Zur besseren Demonstration der Handhabung und des Einsatzes der Wangenhalter wurde hier absichtlich mit einem zu kleinen Abbildungsmaßstab gearbeitet. In der Praxis empfiehlt sich hier ein etwas größerer Bildausschnitt, damit die Wangenhalter den Bildaufbau nicht so stark dominieren.

Parameter:
Blende 22
 
 
Abb. 16) Die sichtbaren Finger und Zahnarztspiegelchen lenken unwillkürlich den Blick auf sich. Abb. 17) Durch sorgfältiges Abhalten der Lippen und Wangen erhält man ein optimales Ergebnis.

Frontzähne im Schlußbiß

Oft wird bei der Bildaufteilung als sichtbarer Bereich 3/5 der OK Front und 2/5 der UK Front empfohlen. Dies ist auch korrekt, wenn auch etwas umständlich. Konzentrieren Sie sich beim Auswählen des Bildauschnitts auf einen gleich großen Anteil des Zahnfleisches im OK und UK (Tipp: Stellen Sie sich die fotografierten Zähne einfach als Bild in einem rosaroten Bilderrahmen vor). Dadurch ergibt sich automatisch die obige Einteilung. Diese Methode erfordert jedoch eine geringere Konzentration und man kann sich gleichzeitig vergewissern, daß das fotografierte Objekt exakt scharfgestellt ist und die Symmetrie eingehalten wurde.
 

Aufgabenstellung:
Fotografieren Sie die die OK und UK-Front im Schlußbiß. Die Lippen sollen zur fotografischen Dokumentation des Zahnfleisches auf dem Bild nicht sichtbar sein.

Schwierigkeit:
Einhalten der Symmetrie, vollständiges Abhalten der Lippen und Wangen.

Abbildungsmaßstab:
ca. 1 : 1,1

Hilfsmittel:
100 mm Makroobjektiv, Zangenblitz und Mundspanner

Vorgehensweise:
Fotografiert wird direkt von vorn. Stellen Sie den Abbildungsmaßstab an der Kamera ein. Die Assistenz führt die Wangenhalter ein und weitet die Mundöffnung mit sanftem, gleichmäßigen Zug auf. Finger oder Spiegel haben auf diesen Bildern nichts verloren. Anschließend wird durch Abstandsänderung zum Mund die Schärfe eingestellt. Das Schärfezentrum sollte auf den Schneidekanten der oberen 2-er liegen.

Parameter:
Blende 22
 
 
Abb. 18) Bei zu kleinen Wangenhaltern (hier „Kindergröße“ bei einem Erwachsenen) oder dem Abhalten mit Fingern oder Mundspiegeln werden die Lippen unzureichend abgehalten. Abb. 19) Durch die richtig ausgewählte Wangenhaltergröße gelingt der Bildaufbau harmonisch.