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Produktfotografie

Grundsätzliches

Modellvorbereitung:
Bei Fotografien von Zahnersatz und den dazugehörigen Meistermodellen muß unbedingt auf eine erstklassige Modellherstellung geachtet werden. Denn ein Arbeitsmodell, welches nicht mit äußerster Sorgfalt gefertigt wurde, mindert auch den Qualitätseindruck der zahntechnischen Arbeit. Auf ein Beispielfoto wurde hier verzichtet, da sich jeder diesen Sachverhalt bildlich vorstellen kann.

Ordnung:
Das gleiche gilt für den zahntechnischen Arbeitsplatz. Wird das Foto einer zahntechnischen Arbeit für die Bildfolge eines Fachberichtes erstellt, muß der Arbeitsplatz peinlichst genau aufgeräumt und sauber sein. Sind z.B. auf dem Ablagebrett im Hintergrund diverse Fläschchen oder Schachteln aufgestellt, hilft auch hier der Einsatz eines neutralen Fotokartons als Hintergrund für ein befriedigendes Ergebnis.

Zahntechnische Dokumentation

Als Abschlußbild einer zahntechnischen Arbeit zur Dokumentation empfiehlt sich eine strenge Symmetrie, wie sie auf den folgenden Beispielen gezeigt wird. Die Kombiarbeit von ZTM Ralf Linde / Meckenbeuren wurde einmal direkt von vorne, sowie von schräg links und schräg rechts fotografiert (Abb.1) (Abb.2) (Abb.3). Diese Perspektive ist zwar nüchtern sachlich aber die Bildaussage dieser Aufnahme dient der Dokumentation der erstellten Arbeit. In diesem Falle wird diese Aufnahmeart empfohlen und erfüllt ihre Aufgabe in vollem Maße.
 
Abb.1 - 3) Bei der fotografischen Dokumentation einer zahntechnischen Arbeit wird eine strenge Symmetrie der erstellten Fotografie gefordert

Schärfentiefe (Kleine Blende - Große Blende)

Der Einfluß der Blendenwahl auf das spätere Bildergebnis wird an den folgenden Aufnahmen deutlich gezeigt.

In den meisten Fällen empfiehlt es sich, daß bei Aufnahmen von zahntechnischen Arbeiten, diese durchgängig scharf abgebildet werden. Die Implantatbrücke von ZTM Alexander König / Altshausen erscheint durch die große Blende von 4 unscharf und verschwommen (Abb.4). Durch ausreichendes Abblenden auf Blende 22 erscheint Sie in Ihrer ganzen Schönheit durchgehend scharf (Abb. 5).
 
Abb.4) Bei Blende 4 sind große Teile der Brücke unscharf abgebildet Abb.5) Blende 22 erweitert den Schärfentiefenbereich über die gesamte Brücke

Die Schärfen(un)tiefe kann jedoch auch gezielt zur Bildaussage benutzt werden. Im ersten Bild ist die fotografierte Kombiarbeit durchgehend scharf (Abb.6). Im zweiten Beispiel sind die Frontzähne der Kombiarbeit als bildwichtiges Detail scharf (Abb.7). Der fossile Zahn samt der massigen Wurzel des Waldelefanten verschwimmen mit zunehmendem Abstand durch die Unschärfe und übernehmen ihre Aufgabe als Requisiten zur Gestaltung des Hintergrundes. Bei dieser Art der Bildgestaltung muß allerdings darauf geachtet werden, daß das Foto nicht zu klein abgebildet wird, da sonst das Bildwichtige, scharf abgebildete Objekt zu klein wiedergegeben wird.
 
Abb. 6) Die Wurzel des fossilen Zahnes lenkt den Blick vom eigentlichen Objekt ab Abb. 7) Durch die große Blende erscheint die Wurzel unscharf. Der Blick konzentriert sich deshalb auf die scharf abgebildete Front der Kombiarbeit von ZTM Ralf Linde

Hintergrund (Untergrund)

Wie wichtig die Wahl des Untergrundes für das spätere Ergebnis ist, wird an den folgenden Bildbeispielen gezeigt.

Bei der sachlichen Dokumentation einer zahntechnischen Arbeit darf der Blick des Betrachters nicht vom bildwichtigen Detail abgelenkt werden. Dies tritt z.B. bei der Verwendung eines grobgewebten Stoffes mit sichtbarer Struktur als Untergrund auf. Im ersten Beispiel wurde die zu verklebende Kombiarbeit auf einem grob strukturierten Stoff fotografiert (Abb. 8). Durch die dominierende Geometrie tritt eine Disharmonie auf. Im zweiten Beispiel (Abb. 9) wurde das Modell auf ein Klötzchen gestellt (In diesem Fall eine leere Filmdose). Durch den Abstand zum Untergrund wird der Karton unscharf wiedergegeben und wirkt wesentlich ruhiger.
 
Abb.8) Die grobe Struktur des Hintergrundes lenkt den Blick von dem Objekt ab Abb.9) Ein neutraler grauer Fotokarton fixiert den Blick des Betrachters auf die Klebearbeit

Wie die Struktur des Untergrundes bewußt eingesetzt wird zeigt das folgende Beispiel oder die Fotografien auf dem roten Samtstoff am Ende des Berichtes. Für die Aufnahme der beiden Gußsticks wurde ein dunkler Stein eingesetzt (Abb.10). Durch den Hell-Dunkel Kontrast treten die fotografierten Gußsticks in den Vordergrund. Dank der unregelmäßigen Struktur dieses Gesteins wirkt der Untergrund hier nicht störend, sondern gestaltet den Bildaufbau mit.
 
Abb.10) Bei Werbe- und Sachaufnahmen wird der Hintergrund zur Bildgestaltung mit herangezogen

Anordnung - Ausrichtung

Die Regeln und Möglichkeiten der Anordnung und der Ausrichtung der fotografierten Objekte ist vielfältig. Es soll hier nur auf 2 klassische Elemente eingegangen werden.

„Goldener Schnitt“
 Wird ein einzelnes Objekt im Bild plaziert, empfiehlt sich eine streng symmetrische, oft auch mittige Anordnung. Dies ist meist bei der Mundfotografie sowie der fotografischen Dokumentation der Fall. Dort ist es angebracht und sinnvoll. Bei der Fotografie z.B. einer endständigen Einzelkrone (Abb.11) wird jedoch von dieser Einstellung abgeraten, da dies langweilig erscheint. Hier empfiehlt sich die Plazierung des bildwichtigen Details (hier die Teilkrone von ZTM Ralf Linde) außermittig. Diese Anordnung, bei welcher sich das bildwichtigste Objekt im linken (bzw. rechten) und/oder dem oberen (bzw. unteren) Drittel des Bildes befindet, nennt man den „Goldenen Schnitt“. Dadurch gewinnt das Bild an Harmonie.
 
Abb.11) Bei der Fotografie von z.B. endständigen Molaren empfiehlt sich die Bildaufteilung nach den Regeln des „Goldenen Schnittes“

Der Texturgradient
Werden mehrere gleichartige Produkte fotografiert, müssen diese entsprechend angeordnet werden. Als Negativbeispiel einer Produktaufnahme sind die lieblos hingeworfenen Bißwälle gezeigt (Abb.12), wie sie in manchen Katalogen abgebildet werden.

Wie es wesentlich ansprechender gemacht werden kann zeigt das nächste Beispiel. Hier wird die gelungene  Produktaufnahme von Wachsbißwällen gezeigt (Abb.13). Durch die wachsende Aufnahmeentfernung erscheinen die Zwischenräume der exakt plazierten Bißwälle trotz strenger geometrischer Aufstellung im Hintergrung kleiner. Dieser durch die Perspektive hervorgerufene Effekt wird in der Bildgestaltung bewußt eingesetzt. Er wird als der sogenannte Texturgradient bezeichnet. Gesehen haben wir ihn alle schon auf Fotografien von z.B. Säulenreihen oder Torbögen in Gewölbegängen.
 
Abb.12) Solche Allerweltsbilder sieht man leider noch allzu oft Abb.13) Der Texturgradient verleiht diesem Bild Spannung

Schatten und Licht

Wie ungünstig eine falsche Ausleuchtung das späteres Ergebnis beeinflußt, zeigt das nächste Beispiel. Abgeschattete Bildelemente, wie sie z.B. beim Einsatz von Ringblitzen oder eines einzelnen gerichteten Blitzgerätes in der Produktfotografie entstehen, ersticken ein professionelles Ergebnis im Keim (Abb.14). Hier verwendet der Profi einen Flächenblitz zur schattenfreien und reflexlosen Beleuchtung (Abb.15). Durch das Umstellen der fotografierten Zone mit weißen Styroporplatten wurden Schattenzonen weitgehendst vermieden. Dieses „Lichtzelt“ wird entweder direkt über die Lichtquellen angestrahlt und ermöglicht so eine indirekte Beleuchtung des fotografierten Objekts. Oder es remittiert bei direkter Beleuchtung des fotografierten Objekts das Streulicht, welches zur Aufhellung von Schattenzonen dient.
 
Abb.14) Wird mit einer gerichteten Lichtquelle gearbeitet, lassen sich Schattenzonen nicht vermeiden Abb.15) Die roten Wachsdosen sind durch die Ausleuchtung eines improvisierten Lichtzeltes weitgehendst schattenfrei ausgeleuchtet

Hochglanzpolierte Metallflächen stellen ein weiteres Problem für den Dentalfotografen dar. Stark gerichtetes Licht bewirkt nicht nur eine hohe Licht- und Schattenwirkung. Wie das folgende Beispiel zeigt erhält man dadurch auf spiegelnden hochglänzenden Oberflächen eine eine starke Reflexwirkung. Ein Polarisationsfilter kann diese unerwünschten Erscheinungen nicht beseitigen. Besonders negativ wirkt sich dies bei Metallkauflächen aus. Im ersten Beispiel wurden die Metallkauflächen mit einem gerichtetet Blitzstrahl beleuchtet (Abb.16). Durch die starken Reflektionen und den daraus resultierenden hohen Kontrast wird eine Beurteilung der Kauflächen verhindert. Der Lichteinfluß der gerichteten Lichtquelle ist auch sehr schön an dem starken Schattenrand auf der Unterlage zu erkennen. Durch die weiche diffuse Beleuchtung mit z.B. mehreren Tageslicht-leuchtstofflampen und dem Umstellen der fotografierten Zone mit Styroporplatten erhält man ein wesentlich gefälligeres Ergebnis (Abb.17).
 
Abb. 16) Bei glänzenden Metallflächen erhalten wir durch die Blitzfotografie starke Reflexe und einen hohen Kontrast Abb.17) Durch die weiche. diffuse Beleuchtung erscheinen die Metallkauflächen wesentlich ansprechender

Effekte

In den nächsten beiden Beispielen wird gezeigt, wie der Hintergrund durch Effekte gestaltet werden kann. Der blaue Hintergrund (Abb.18) wirkt langweilig und antiquiert. Außerdem beeinflußt er den Farbeindruck der abgebildeten Brücke. Durch die Freistellung der Brücke mittels einer angehobenen Glasplatte (Abb.19) erscheint das Objekt vom Untergrund losgelöst, förmlich im Raum schwebend.
 
Abb.18) Blaue Hintergründe wirken langweilig und brav Abb.19) Eine Änderung des Hintergrundes verstärkt den Farbeindruck und die Brillianz der Keramikarbeit

Möchte man z.B. eine Oberkieferbrücke gleichzeitig von labial und palatinal fotografieren, verwendet man einen gewöhnlicher Haushaltsspiegel als Unterlage. Hier kann es leicht passieren, daß der störende Hintergrund (in diesem Fall eine Reprolampe) im Spiegelbild erscheint (Abb.20). Durch den kleinen und dunklen Bildausschnitt im Kamerasucher wird dies leicht übersehen. Wenn der Hintergrund durch einen Fotokarton hinterlegt wird gelingt die Aufnahme ohne störende Bildelemente (Abb.21). Die unerwünschten Doppelspiegelungen auf der Glasoberfläche wurden hier zusätzlich mit einem Polarisationsfilter unterdrückt.
 
Abb.20) Durch den kleinen und dunklen Bildausschnitt des Kamerasuchers übersieht man leicht unerwünschte Spiegelungen Abb.21) Durch einen Fotokarton im Hintergrund und einem Polarisationsfilter gelingt die Aufnahme der Keramikarbeit von ZTM Ralf Linde einwandfrei

Requisiten (Beispiele)

Wenn wir uns von der Fotografie als Instrument der reinen Dokumentation trennen und uns in Richtung der Produkt- und Werbefotografie zuwenden, müssen weitere Hilfsmittel zur Bildgestaltung herangezogen werden. Jetzt sind plötzlich der Hintergrund und eventuelle Requisiten Bestandteil des Arrangements. Als Beispiele möglicher Bildkompositionen sollen folgende Beispiele neue Anregungen geben und zum Ansporn der eigenen Kreativität dienen:

Beispiel einer Fotografie für das Patientenzimmer

In diesem Fall wurde eine zahntechnische Arbeit von ZTM Werner Merle / Unlingen auf einem roten Samtstoff ausgebreitet / Abb.22). Durch den beigelegten Schmuck wird die Schönheit der Kombiarbeit betont und durch den „kostbaren“ Hintergrund (in diesem Fall ein in Falten gelegter Samtstoff)  hervorgehoben. In einem ausgefallenen edlen Bilderrahmen sowie einem passenden Passepartout erregt ein solches Bild im Wartezimmer durchaus die Aufmerksamkeit der Patienten und gibt Anlaß zu fachlichen Diskussionen.
 
Abb.22) Durch den beigelegten Schmuck wird ein Bezug zu den Zähnen (Anm.: „ .... als der schönste Schmuck des Menschen“) hergestellt

Beispiel einer Fotografie für das Deckblatt einer Werbemappe

Diese beiden Fotografien der Kombiarbeit (vgl. Abb.1 - 3) könnten z.B. als Umschlagfoto für eine Werbemappe verwendet werden. Durch die ausgefallenen Requisiten (in diesem Fall die jahrtausendealten fossilen Zähne eines Waldelefanten (Abb.23) und eines Urhaies (Abb.24) wird einerseits ein Bezug zu den Zähnen hergestellt. Andererseits dienen Sie als Blickfang und werten solche Produktaufnahme erheblich auf. Deshalb sind die Requisiten der Werbefotografen das eigentliche Kapital, welche in jahrelanger Kleinarbeit akribisch gesammelt werden.
 
Abb.23) Der eigentliche Schatz eines Werbefotografen sind nicht etwa die teuren Kameras, sondern eine endlose Anzahl von außergewöhnlichen Requisiten. Abb.24) Diese durchaus gelungene Werbeaufnahme weckt beim Betrachter zweifellos Interesse.

Schlußwort

Dies war ein kleiner Exkurs in die Produktfotografie. Einerseits sollen Ihnen die gezeigten Lösungsmöglichkeiten dabei helfen, eigene ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Andererseits soll dadurch Ihre Kreativität angeregt und der Grundstein für Ihre eigenen außergewöhnliche Lösungen gelegt werden.

Literatur:

Ernst A.Weber / Sehen Gestalten und Fotografieren / Birkhäuser Verlag
John Hedgecoe / Foto Handbuch / Hallwag 1994
Jost J. Marchesi / Professionelle Beleuchtungstechnik / Verlag Photographie 1994
Licht und Studiotechniken / Time Life  1997
Martin Sigrist / Erwin Stegmann / Die neue Makro Fotoschule / Verlag Photographie
Michael Nischke / Blitz Fotoschule / Verlag Photographie
Roger Hicks & Frances Schultz / Produktfotografie / Laterna Magica
Roger Hicks & Frances Schultz / Stilleben fotografieren / Laterna Magica