Weißabgleich         www.denfo.de / Dentalfotografie mit Matthias Steinhauser

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Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verlages Neuer Merkur / München.
[Den Originalbericht finden Sie in der Zeitschrift dental labor  5/2003]

Der Weißabgleich und die Farbtesttafel

Was hat ein Regenbogen mit Digitalfotografie zu tun?

Vorwort

Jetzt werden unerwünschte Farbstiche entfernt!? Diese Aussage stand vor nicht allzulanger Zeit in einem Fachbericht über die Bildaufarbeitung in der Digitalfotografie. Wie wird dieser Farbstich korrigiert? Haben wir eine Referenz oder korrigieren wir das Bild so, wie es unseren Wunschvorstellungen entspricht? Die weitläufige Meinung: „das kann man später am Computer korrigieren“ ist als eine der gravierendsten Fehlerquellen der Digitalfotografie anzusehen. Weshalb dies so ist und wie man diese Fehlerquellen eliminieren kann, soll in diesem Bericht erörtert werden. Im Anhang findet sich zur Vervollständigung die Analogie zur Fotografie mit herkömmlichem Filmmaterial. Die folgenden Ausführungen sind zum besseren Verständnis nicht streng wissenschaftlich erklärt. Man möge mir deshalb eine verallgemeinernde Formulierung verzeihen.

Einleitung

Der Durchbruch der digitalen Fotografie hat besonders im professionellen Bereich viele Streitpunkte entfacht. Die Weiterverarbeiterkette beim gedruckten Bild geht vom Fotografen über die Lithographie (Filmerstellung für die Druckmaschinen) zur Druckerei. Früher war es für die Fotografen einfacher. Sie erstellten ein hochwertiges Farbdia. Dieses (Referenz-) Bild konnte durch visuelle Betrachtung am Leuchttisch mit der Lupe hinsichtlich Schärfe und Farbtreue kontrolliert werden. Der Auftraggeber erteilte in aller Regel anschließend die Freigabe für dieses Farbdia. Danach wurde dieses Bild an die Lithographie zur Weiterverarbeitung gegeben, welche die Filme für die Druckerei erstellten. Streitigkeiten konnte der Fotograf elegant aus dem Weg gehen, da er als Referenz jederzeit auf das vorliegende Farbdia verweisen konnte. Für das Endergebnis waren der Lithograph bzw. der Drucker verantwortlich. Durch die Digitalfotografie haben sich die Verantwortlichkeiten erweitert. Auch der Fotograf wird nun mit in die Pflicht gerufen. Die Kontrolle der Bilddaten kann nur über die Bildschirmbetrachtung bzw. dem Probeausdruck von sogenannten „Proofs“ erfolgen, die aber eine exakte Kalibrierung aller Komponenten (Monitore, Drucker, etc.) voraussetzen. Aber wessen Geräte sind nun am exaktesten kalibriert. Und schon geht die Streiterei los. Betrachten Sie einmal dasselbe digitale Bild auf verschiedenen Monitoren (z.B. im Bekanntenkreis) und drucken Sie dieses Bild nach Möglichkeit auch auf verschiedenen Druckern aus. Sie werden staunen, wieviel verschiedene Varianten Sie erhalten werden.

Aus diesem Grunde ist es von größter Wichtigkeit, daß die Fotografien, die als „Bilddaten“ abgespeichert sind, absolut farbneutral vorliegen. Dies kann nur der Fall sein, wenn an der Digitalkamera ein korrekter Weißabgleich durchgeführt wurde.

Was ist jetzt eigentlich ein Weißabgleich? Der Weißabgleich ist die Korrektur der Farbverschiebung eines nicht normgerechten Aufnahmelichtes bei der Erstellung einer Fotografie. Unser weißes Tageslicht setzt sich aus rotem, grünem und blauem Licht zusammen. Gesehen haben wir dieses Spektrum schon alle beim Betrachten eines Regenbogens (Abb.1). Für eine verständliche Erklärung muß jedoch ein ganz klein wenig ausgeholt werden.
 
Abb.1) Der Regenbogen zeigt das Farbspektrum des Tageslichts

Das Licht in der Fotografie:

Unser weißes Tageslicht setzt sich aus den 3 additiven Grundfarben (Abb.2) Rot, Grün und Blau (man spricht deshalb auch von dem RGB-Farbmodell) zu jeweils 33,3% zusammen. Man spricht deshalb von additiven Farben, da sich das entstehende Licht aus der Addition (quasi dem Zusammenmischen bzw. der Überlagerung) der 3 Lichtfarben ergibt. Da wir dieses natürliche Licht aber nicht immer in außreichendem Maße zur Verfügung haben, muß in der Fotografie auf standarisierte Lichtquellen zurückgegriffen werden. Dies sind in aller Regel das Blitzlicht, Halogenlampen, Tageslicht-Leuchtstofflampen und in letzter Zeit die weißen LED-Ringleuchten. Jetzt setzt sich aber das Licht, welche diese Leuchten emittieren, nicht immer zu gleichen Teilen aus dem rotem, dem grünem und dem blauem Licht zusammen. Für die visuelle Betrachtung spielt das auch keine allzu große Rolle, da durch die Farbadaption unser Gehirns geringe Farbverschiebungen nicht oder nur unmerklich erkannt werden. Der CCD-Chip unserer Kamera, bzw. der Farbfilm besitzt diese Korrekturmöglichkeit aber nicht, sodaß wir z.B. bei Halogenlicht einen Orangestich und selbst bei Tageslicht-Leuchtstofflampen einen Grünstich erhalten.
 

Abb.2) Die drei additiven Grundfarben Rot, Grün und Blau

Gedankenmodell:

Wir fotografieren ein Objekt auf einer weißen Tischdecke. Beleuchtet wir die Szenerie mit Tageslicht-Leuchtstofflampen. Dieses Licht hat einen Überschuß von grünem Licht. Wenn wir die Digitalkamera auf natürliches Tageslicht einstellen, geht die Kamera davon aus, daß sich das Licht, mit welchem das Objekt beleuchtet wird, zu je 33,3% aus rotem, grünem und blauem Licht zusammensetzt. Da das verwendete Leuchtstofflampenlicht aber einen erhöhten Grünanteil besitzt, erhalten wir als Ergebnis eine Fotografie mit einem Grünstich. Jetzt führen wir einen Weißabgleich mittels Messung durch. Wir richten die Kamera auf das weiße Tischtuch und drücken die Weißabgleichsmeßtaste. Jetzt mißt die Kamera dieses Licht. Die Kamera geht dabei im „Weißabgleichsmodus“ richtigerweise davon aus, daß die Referenzfläche aus weißem (bzw. grauem) Material besteht, und „weiß“ deshalb, daß sie bei korrektem Weißabgleich Licht mit jeweils 33,3% rotem, grünem und blauem Anteil messen muß. (Merke: Werden weiße, graue oder schwarze Objekte mit Licht angestrahlt, remittieren sie dieses Licht in genau der gleichen prozentualen Zusammensetzung der 3 Grundfarben (Rot, Grün und Blau), mit welchem sie angestrahlt werden. Deshalb sind Weiß, Grau und Schwarz absolut farbneutral und per Definition keine Farben). In unserem Beispiel merkt die Kamera, daß sich das gemessene Licht nicht zu jeweils 33,3% aus rotem, grünem und blauem Licht zusammensetzt. Deshalb bewertet die Kamera die grünempfindlichen Sensoren (Anm.: Die CCD-Chips der Digitalkameras sind auf rotes, grünes und blaues Licht sensibilisiert) des CCD-Chips softwaremäßig um soviele Prozentpunkte weniger, damit als Meßergebnis wieder Licht mit jeweils 33,3% rotem, grünem und blauem Anteil gemessen wird. Den Korrekturwert der prozentualen Abschwächung der grünempfindlichen CCD-Sensoren speichert sich die Kamera. Bei allen folgenden Aufnahmen wird dieser Korrekturwert zur Bilddatenerfassung herangezogen, bis (z.B. bei der Änderung der Lichtquelle) ein erneuter Weißabgleich stattfindet. In unserer Überlegung werden die Meßwerte der grünempfindlichen Sensoren des CCD-Chips mit den abgespeicherten Daten korrigiert. Das Ergebnis ist eine farbneutrale Fotografie.

Der Weißabgleich (bei der Digitalkamera) ist also nichts anderes, als eine softwaremäßige Gewichtung der rot-, grün- und blauempfindlichen Sensoren des CCD-Chips der Kamera, welche die Farbverschiebung bei der Ausleuchtung durch nicht normgerechtes Licht kompensiert.

Druckfarben:

Der Vollständigkeit möchte ich auf die 3 Komplementärfarben (Abb.3) eingehen. Wie wir jetzt gelernt haben setzt sich das sichtbare, weiße Licht aus rotem, grünem und blauem Licht zusammen. Aber ein gemaltes oder gedrucktes Bild leuchtet ja nicht von selbst. Man kann es nur sehen, wenn es mit einer Lichtquelle angestrahlt wird. Ein gemaltes oder gedrucktes Bild besteht nicht aus den 3 additiven Grundfarben rot, grün und blau, sondern aus den 3 (subtraktiven) Komplementärfarben (auch Körperfarben genannt) Cyan, Magenta und Yellow (Gelb). Man spricht deshalb von subtraktiven Farben, weil der Farbeindruck, mit welchem der durch weißes Licht beleuchtete Körper erscheint, durch Subtraktion (quasi dem Herausfiltern) von einzelnen Farbspektren entsteht. Mischt man die 3 Komplementärfarben zu gleichen Teilen ergibt sich theoretisch Schwarz. In der Praxis zeigt sich jedoch, daß sich eher ein braunschwarzer Farbton einstellt. Außerdem benötigt man sehr viel Druckfarbe, da ja Schwarz aus Cyan + Magenta + Yellow zusammengemischt werden müßte. In der Praxis verwendet man deshalb als 4. Druckfarbe das Schwarz (engl. black). Das gedruckte Bild setzt sich also aus den 3 Körperfarben Cyan, Magenta und Yellow sowie Black zusammen. Man spricht deshalb auch vom CMYK (- Farbmodell).
 
Abb.3) Die drei subtraktiven Komplementärfarben Cyan, Magenta und Yellow

Beispiele:

Eine rote Farbe ist nichts anderes als ein Stoff, der, wenn er mit weißem Licht angestrahlt wird, die grünen und blauen Komponenten absorbiert (d.h. in Wärme umwandelt) und nur den roten Anteil des Lichts remittiert. Ein gelbe Farbe ist ein Stoff, der, wenn er mit weißem Licht angestrahlt wird, nur den roten und grünen Anteil des Lichts remittiert und den blauen Teil absorbiert (Anm.: grünes und rotes Licht ergeben zusammen gelbes Licht). Ein weißer Körper remittiert das Licht, mit dem er angestrahlt wird in hohem Maße. Ein schwarzer Körper absorbiert dagegen das Licht, mit dem er angestrahlt wird und erwärmt sich stark. Deshalb sind z.B. weiße Autos im Sommer relativ kühl, schwarze Autos hingegen heizen sich enorm auf.

Der Weißabgleich bei der Digitalkamera:

Bei der Digitalkamera empfiehlt sich der Weißabgleich in aller Regel per Messung. Wir gehen in den Weißabgleichsmodus (Abb.4) und wählen die Option Weißpunkt setzen (Abb.5). Zum Weißabgleich richten wir die Kamera auf eine reinweiße Fläche, die wir mit dem Licht beleuchten, mit welchem später das fotografierte Objekt angestrahlt wird. Dann drücken wir die Weißabgleichstaste (Abb.6). Die Kamera führt nun automatisch eine Messung durch und speichert den Korrekturwert intern ab. Bei bekannter Farbtemperatur (bzw. Lichtfarbe) der Lichtquelle kann der Korrekturwert auch manuell eingegeben werden. Da wir aber meist eine Mischlichtsituation (Tageslicht durch das Fenster und „Kunstlicht“ im Raum) vorliegen haben, empfiehlt sich für exakte Ergebnisse immer eine korrekte Messung. Die Vorgehensweise beim Weißabgleich sind bei den verschiedenen Kamerafabrikaten teilweise unterschiedlich. Orientieren Sie sich deshalb bitte exakt anhand der Bedienungsanleitung Ihrer Kamera.
 
Abb.4) Der Weißabgleichsmodus
Abb.5) Weißabgleich durch Messung
Abb.6) Durchführen der Messung

Tip: Normalerweise wird der Weißabgleich mittels eines weißen Blattes Papier empfohlen. Ich persönlich habe die Feststellung gemacht, daß weißes Papier extrem unterschiedlich weiß ist. Vergleichen Sie einmal weißes Papier oder auch weiße Fotokartons miteinander. Sie werden teilweise erhebliche Unterschiede feststellen. Deshalb verwende ich zum Weißabgleich in aller Regel eine Graukarte (Abb.7) (Bezug über das Fotofachgeschäft), wie sie zur Belichtungsmessung herangezogen wird. Diese genormten Graukarten sind meines Erachtens wesentlich exakter im Ergebnis, da Sie absolut farbneutral sind. Ob der Weißabgleich mit Ihrem eigenen Kamerasystem mit weißem Papier oder einer Graukarte zum besseren Ergebnis führt, können Sie leicht selbst durch die Kontrolle mit einer Farbtesttafel durchführen, wie es im folgenden beschrieben ist.
 
Abb.7) Die Graukarte, ein unscheinbares aber wichtiges Hilfsmittel

Wie kontrollieren wir jetzt das Ergebnis unseres Weißabgleichs. Dazu bedienen wir uns einer Farbtesttafel.

Kontrolle des Weißabgleichs durch das Repro einer Farbtesttafel:

Farbtesttafeln (Abb.8) sind hochwertige Fotokartons, die mit verschiedenen Graustufen- und Farbfeldern bedruckt sind. Sie werden als Referenz bzw. zur Kalibrierung von Kameras, Scannern etc. verwendet.
 
Abb.8) Wie die Graukarte führt auch die Farbtesttafel unberechtigterweise ein Schattendasein

Welche Farben sind auf diesen Farbtesttafeln vorhanden? Hier hat man sich sinnvollerweise auf die 3 Grundfarben Rot, Grün und Blau sowie auf deren 3 Komplementärfarben Cyan, Magenta und Yellow geeinigt. Außerdem sind noch das reine Weiß, das reine Schwarz und deren Grauwerte in verschiedenen Abstufungen aufgedruckt. Besonders auf dem Weißfeld lassen sich feinste Farbstiche erkennen. Die Farbfelder können hierbei als Vergleich hinzugezogen werden und erleichtern das Erkennen, welcher Farbstich konkret vorliegt. Ein geschultes Auge ist hierbei selbstverständlich von Vorteil.

Jeder Fotograf, Lithograph und Drucker kennt diese Farben und kann dieses Wissen in der Weiterverarbeitung gezielt einsetzen.

Auf manchen Farbkarten sind auch das Himmelsblau, das Blattgrün oder die Hautfarbe aufgedruckt. Meiner Meinung nach sind diese Farben aber nicht aussagekräftig, da in verschiedenen Klimazonen, Vegetationsregionen und Kulturen verschiedene Farbtöne dominieren. Ich denke, daß bei diesen 3 Sonderfarben keine Normwerte festgelegt werden können und sollten.

Wir fotografieren diese Farbtesttafel nach erfolgtem Weißabgleich. Das Bild wird nun auf den Computer übertragen und ausgedruckt. Jetzt wird das ausgedruckte Bild, sowie das Monitorbild mit der original Farbtesttafel verglichen. Dies setzt selbstverständlich einen kalibrierten, sowie betriebswarmen Monitor voraus. Zur Monitorkalibrierung orientieren wir uns an der Bedienungsanleitung des Herstellers bzw. an den Vorgaben unseres Bildbearbeitungsprogrammes. Hier machen sich leider manchmal die Preisunterschiede von den „Billig-“ Bildbearbeitungsprogrammen (sowie den Billig-Monitoren) bemerkbar, die oftmals keine exakte Kalibrierung ermöglichen.
Vergessen dürfen wir selbstverständlich nicht, daß wir eine geeignete Lichtquelle (Daylight) zum Betrachten unserer Farbtesttafel einsetzen. Diese sollte der Farbwiedergabestufe 1A entsprechen.

In den folgenden 3 Beispielen werden die Ergebnisse von falschem sowie korrektem Weißabgleich deutlich. Beleuchtet wurde jedesmal mit Tageslicht-Leuchtstofflampen. Bei Abb.9) wurde Kunstlicht eingestellt. Die Kamera korrigiert den vermeintlich zu warmen Farbton und wir erhalten einen Blaustich.  In Abb.10) wurde an der Kamera „sonnig“ eingestellt. Hier ist der Fehler wesentlich geringer. Trotzdem quittiert die Kamera mit einem ganz leichten Rotstich. Durch korrekte Messung (Abb.11) erhalten wir ein neutrales Ergebnis.

Beispiele:
 
Abb.9) Tageslicht-Leuchtstofflampe
Kunstlicht eingestellt
Abb.10) Tageslicht-Leuchtstofflampe
Sonnig eingestellt
Abb.11) Tageslicht-Leuchtstofflampe
Weißabgleich durch Messung erfolgt

Auswirkungen in der Praxis:

Wie sich diese Farbverschiebungen in der Praxis auswirken können, möchte ich an den drei folgenden Beispielen zeigen: Das erste Bild (Abb.12) zeigt uns eine farbneutrale Mundfotografie. Das zweite Bild (Abb.13) zeigt einen Orangestich, wie wir ihn durch den Einfluß von Glüh- oder Halogenlampen erhalten. Das dritte Bild (Abb.14) enthält einen Grünstich, der in aller Regel durch Leuchtstoffröhren verursacht wird. Aber lassen wir die Bilder für sich selber sprechen. Was ein Farbstich auf einer Fotografie für die Schichtvorlage eines Keramikers anrichten kann, braucht ebenfalls nicht näher erläutert werden.
 
Abb.12) Neutrale Farben mittels Weißabgleich
Abb.13) Orangestich hervorgerufen durch Halogenlicht
Abb.14) Grünstich hervorgerufen durch Leuchtstofflampenlicht

Farbverschiebungen gezielt eingesetzt:

Wie wir uns Farbverschiebungen gezielt zunutze machen können, sollen die folgenden Bilder zeigen. Das erste Bild (Abb.15) zeigt eine Wachsmodellation von Wolfram Schultis aus Karlsruhe. Hier wurde farbneutral fotografiert. Dieses Bild wurde via Bildbearbeitungsprogramm in ein Graustufenbild (Abb.16) umgewandelt. Anschließend wieder in den Farbmodus konvertiert und mittels Farbreglern mit einem Sepiaton (Abb.17) versehen, wie wir ihn von alten Fotografien aus Großmutters Zeiten her kennen. So kann ein Bild optisch aufgewertet werden. Selbstverständlich ist hier eine visuelle Korrektur erlaubt und auch sinnvoll, da wir eine ansprechende Bildaussage erhalten wollen und nicht auf eine farbrichtige Reproduktion angewiesen sind.
 
Abb.15) Wachsmodellation von Wolfram Schultis
Abb.16) Das Graustufenbild
Abb.17) Die Sepiatonung

Anhang

Die Weißabgleichsproblematik gilt übrigens genauso bei der Analogfotografie. Auch der Farbfilm quittiert Farbverschiebungen der Lichtquellen mit teilweise starken Farbstichen. In der Analogfotografie wird der Weißabgleich durch das Vorschalten von Konversions- oder Farbkorrekturfiltern durchgeführt. Die Auswahl des in Frage kommenden Filters entnehmen wir Tabellen, auf welchen die verschiedensten Lichtquellen aufgeführt sind oder den Datenblättern der Lichtquellen. Leider sind die Ergebnisse durch Tabellen oder Datenblättern nie exakt, da wir meist mit Mischlichtsituationen bzw. der „Alterung“ von Lichtquellen zu rechnen haben. Wollen wir Farbstiche vollständig ausschließen, kommen wir um die die Messung der Lichtfarbe mittels eines professionellen Farbtemperaturmessers (Abb.18) nicht herum.
 
Abb.18)  Farbtemperaturmesser Colormaster 3F von Gossen

Auch die Frage der richtigen Filmwahl ist im Zusammenhang mit dieser Problematik zu sehen. Immer wieder werde ich gefragt, welche Filme ich empfehle, bzw. welches der „beste Film“ ist. Dies kann nicht pauschal beantwortet werden. Grundsätzlich soll ein Film entweder

Die Entscheidung, welcher Film verwendet wird, muß letztendlich der Fotograf selbst entscheiden. Das subjektive Empfinden spielt hier ebenfalls eine große Rolle. Auch der Kostenfaktor muß angesprochen werden. Ein „Amateurdiafilm mit Standartentwicklung“ kostet  ca. 6,- Euro. Ein „Profidiafilm mit Fachentwicklung“ kann jedoch durchaus mit 15,- Euro zu Buche schlagen.

Manche Profis kaufen sich beispielsweise einen „Jahresbedarf“ an Filmen, bzw. eine große Menge an Filmen derselben Emulsion (d.h. gleiche Charge). Mittels eigener Filmtests von 1 - 2 Filmen wird dann diese Emulsion ausgetestet, sodaß der Fotograf die Farbcharakteristik dieser Charge kennt. Im Falle des Dentalfotografen hiese dies allerdings, daß mit Kanonen auf Spatzen geschossen würde.

Filmmaterial:

Als Filmmaterial eignet sich am besten ein Diafilm mit 100 ASA (21 DIN). Diafilme erfordern zwar eine exaktere Belichtung (kleinerer Belichtungsspielraum) als Negativ - Filme, jedoch erhält man brilliantere Ergebnisse und hat außerdem mehr Anwendungsmöglichkeiten. Außerdem liegt als Referenz immer das Positiv vor, welches direkt am Leuchttisch betrachtet werden kann. Bei Negativfilmen haben wir das gleiche Problem wie bei der Digitalfotografie. Auch hier können wir das fertige Bild erst nach dem „Umkehrprozeß“ (also auf dem Papierabzug) betrachten. Hierbei hat aber bereits eine Filterung stattgefunden. Die Auswirkungen kennen wir alle. Geben Sie das gleiche Negativ mehrmals ins Fotolabor zum Erstellen eines Papierabzugs. Meist erhalten wir die verschiedensten Variationen.

Man wählt Tageslicht - Diafilme aus, welche auf das natürliche Tageslicht sensibilisiert sind. Außerdem sind diese Filme für Blitzlicht geeignet. Bei Kunstlicht (Glüh - und Halogenlampen und Tageslicht -Leuchtstofflampen) kann man sie mit einem entsprechenden Filter ebenfalls verwenden.

Japanische Filme ergeben meist sehr kräftige Farben. Europäische Filme sind dagegen eher farbneutraler. Außerdem gibt es spezielle Porträtfilme. Am besten Sie fordern von den bekannten Filmherstellern Informationen an, welches Filmmaterial diese für Ihren Anwendungszweck empfehlen. Wenn Ihnen nur die teuersten Profifilme empfohlen werden, scheuen Sie sich nicht, als Vergleich einen günstigen Film von der Stange heranzuziehen. Dann besorgen Sie sich 2 bis 3 verschiedene Filme, die laut Herstellerangabe für Ihren Zweck empfohlen werden. Diese Filme testen Sie dann, wie unten beschrieben, mit der Farbtesttafel und der Lichtquelle aus, die Sie später auch einsetzen. Ausgewählt wird der Film, der Ihr Anforderungsprofil am nächsten erreicht.

Wie aber werden Fotos und Filme bewertet? Dazu können schon wesentlich konkretere Aussagen getroffen werden. Weil das natürliche Tageslicht nicht immer vorhanden ist und ebenfalls von der Jahreszeit, der Uhrzeit und dem Wetter abhängt, muß auf standartisierte Lichtquellen zurückgegriffen werden.

Reprobeleuchtung und Leuchtkasten mit genormten Tageslichtlampen

Um Fotografien und Durchsichtsvorlagen (Dia´s) farbrichtig beurteilen zu können, müssen diese im Auflicht oder auf einer Leuchtplatte im Durchlicht mit einer genormten Lichtquelle betrachtet werden. Diese Leuchtmittel werden nach Farbwiedergabe-Eigenschaften (Ra) eingeteilt. Für Zahnarztpraxen, Dentallabore, Druckereien und der Diabetrachtung werden Tageslicht-Leuchtstofflampen mit der Farbwiedergabestufe 1 A empfohlen. Orientieren Sie sich hierbei an den Datenblättern der Lampenhersteller oder fragen Sie bei Ihrem Fachhändler nach. Wichtig: Leuchtstofflampen erreichen erst bei Betriebstemperatur ein kontinuierliches Spektrum. Deshalb müssen alle Leuchtstofflampen vor der Beurteilung ein paar Minuten „warmlaufen“.

Wie wird mit diesen Farbtesttafeln gearbeitet?

Filme eintesten:

Man fotografiert die Farbtesttafeln mit jeweils demselben (neutralen) Licht mit den zur engeren Auswahl stehenden Filmen ab. Diese Filme werden entwickelt und man vergleicht jetzt das Ergebnis wiederum mit Hilfe der oben angesprochenen Normlampen. Anhand dem Verwendungszweck wählt man jetzt den Film aus, dessen Ergebnis für den gewünschten Bereich (z.B. Reproduktionen) am ehesten in Frage kommt. Einen Film deshalb auszuwählen, weil ein Kollege denselben Film verwendet und damit gute Ergebnisse erzielt ist nicht sinnvoll. Wir kennen ja nicht die Farbcharakteristik seiner Lichtquellen, wissen auch nicht ob er als Objektivschutzfilter z.B. einen Skylightfilter verwendet. Ebenfalls kann die tendentielle Über- oder Unterbelichtung eines Kamerasystems das Ergebnis beeinflussen.

Als erstes Bild auf allen Filmen:

Wird z.B. für einen Fachbericht eine Bildfolge erstellt, kann als erstes Bild auf jedem Film immer eine Farbtesttafel abfotografiert werden. Wenn der Lithograph jetzt dieses erste Bild einscannt, kann er das Bild absolut farbneutral filtern, da er ja die Farben auf der Farbtesttafel kennt. Diese Filterung überträgt er jetzt auf alle folgenden Bilder. Somit ist ein absolut farbneutrales Ergebnis garantiert.

Wichtig: Wenn dieses Verfahren sinnvoll angewendet werden soll, muß selbstverständlich gewährleistet sein, daß alle Bilder mit der gleichen Lichtquelle ausgeleuchtet werden. Außerdem muß Fremdlicht definitiv ausgeschlossen sein, d.h. der Raum wird vollständig abgedunkelt und die Raumbeleuchtung ausgeschaltet oder zumindest deutlich zurückgedimmt. (Anmerkung: Deshalb ist in professionellen Fotostudios alles in Schwarz gehalten). Wenn mit verschiedenen Lichtquellen gearbeitet wird, muß der Fotograf die Farbcharakteristik dieser Lichtquellen genau kennen (Farbtemperaturmeßgerät) und diese 100% kompensieren (Konversionsfilter [LB-Filter] und Farbkorrekturfilter [CC-Filter]).

Die folgenden Beispiele wurden mit der analogen Kamera und einem Diafilm (Tageslichttyp) erstellt. Außerdem wurden verschiedene Filter vorgeschraubt.

Beispiele:

Auf Abb.19) wurde die Farbtesttafel mit natürlichem Sonnenlicht ausgeleuchtet. Dieses Bild entstand am späten Nachmittag im Herbst. Ein Filter wurde nicht verwendet. Wir erhalten kräftige Farben, einen warmen Farbton und einen Farbstich, der leicht ins gelb-orange abdriftet. Hier erkennt man sehr schön den typischen Einfluß der Tages-, und Jahreszeit auf die Charakteristik des Tageslichts. Das Bild auf Abb.20) entstand mittels Tageslicht - Leuchtstofflampen ohne Filter. Der sich trotz „Tageslicht“ eingestellte leichte Grünstich ist nicht zu verleugnen. Abb.21) wurde mittels Tageslicht-Leuchtstofflampen, und einem FL-W Filter erstellt. Fremdlicht wurde durch einen komplett abgedunkelten Raum vollständig abgehalten. Wir erhalten eine farbneutrale Fotografie. Mit dieser Filter-Lichtkombination erstelle ich in der Zwischenzeit einen großen Teil meiner zahntechnischen Produktfotografien. Abb.22) zeigt wieder ein Negativbeispiel. Der Einfluß von Warmton-Leuchtstofflampen und der fehlende Korrekturfilter verfälschen das Ergebnis deutlich durch einen Grünstich. Auf Abb.23) wurde die Szenerie mittels Halogenlampen ausgeleuchtet. Auf einen Konversionsfilter wurde verzichtet. Das Ergebnis ist ein kräftiger Orangestich, wie wir ihn alle von unseren Weihnachtsbildern unterm Christbaum her kennen. Auf Abb.24) wurde die gleiche Lichtquelle verwendet. Allerdings wurde der Farbstich durch einen KB-12 Filter kompensiert. Das Foto zeigt eine fast neutrales Ergebnis, allerdings mit einem warmen Farbton. Ein KB-15 Filter hätte hier vermutlich ein noch besseres Ergebnis gebracht. Für eine genaue Erklärung der Filter möchte ich auf meinen Internetlehrgang „Filter und Licht in der Dentalfotografie“ verweisen, den Sie unter der Rubrik: Lehrgang / Filter und Licht finden.
 
Abb.19) Farbtesttafel fotografiert mit natürlichem Tageslicht am späten Nachmittag (Kein Filter verwendet)
Abb.20) Farbtesttafel fotografiert mit Tageslicht-Leuchtstofflampen (Kein Filter verwendet)
Abb.21) Farbtesttafel fotografiert mit Tageslicht-Leuchtstofflampen (FL-W Filter verwendet)
Abb.22) Farbtesttafel fotografiert mit Warmton-Leuchtstofflampen (Kein Filter verwendet)
Abb.23) Farbtesttafel fotografiert mit Halogenlampen (Kein Filter verwendet)
Abb.24) Farbtesttafel fotografiert mit Halogenlampen (KB12 Filter verwendet)

Schluß

Ich hoffe, daß Ihnen mein kleiner Exkurs die Wichtigkeit sowie das Handling des Weißabgleichs bei Digital- und Analogkameras nähergebracht hat. Vergessen Sie auf alle Fälle eines nicht. Fehler, die bereits während der Aufnahme gemacht wurden, können später am Computer nur mühsam, ungenau und meist nicht vollständig eliminiert werden. Führen Sie deshalb den Weißabgleich sorgfältig durch. Die Ergebnisse werden es Ihnen danken.

Literatur:

Ernst A. Weber / Sehen, Gestalten und Fotografieren / Birkhäuser Verlag 1990
Gottfried Schröder / Technische Optik / Vogel-Verlag / 1990
Gottfried Schröder / Technische Fotografie / Vogel-Verlag / 1981
John Hedgecoe / Foto Handbuch / Hallwag 1994
Jost J. Marchesi / Professionelle Beleuchtungstechnik / Verlag Photographie 1994
Klaus Ender / Filtertechnik Filterkunst / Laterna magica 1995
Kurt Dieter Solf / Fotografie / Fischer Taschenbuch Verlag 1991
Lexikon der Optik / Dausien 1990
Licht und Studiotechniken / Time Life  1997
Michael Langford / Enzyklopädie der Fotopraxis / Weltbild Verlag 1987
Michael Nischke und Jens Sovak / Belichtung und Farbwerte in der Praxis / Gossen 1992
Michael Nischke / Blitz Fotoschule / Verlag Photographie 1991
Reinhard Merz und Volker Joksch / Filme in der Fotopraxis / Augustus Verlag 1996